Macht und Struktur im Theater by Thomas Schmidt

Macht und Struktur im Theater by Thomas Schmidt

Autor:Thomas Schmidt
Die sprache: deu
Format: epub
ISBN: 9783658264512
Herausgeber: Springer Fachmedien Wiesbaden


Im Prinzip eröffnet diese Aussage den Blick auf das große Dilemma der Künstlerinnen: sich zu Angeboten und Avancen richtig zu verhalten, ohne die eigene Integrität und das eigene psychische Wohl zu gefährden, und dabei die möglichen negativen Konsequenzen auch einer Einwilligung zu berücksichtigen. Viele Leiter leben in festen Partnerschaften und suchen keine Liebesbeziehung, sondern ausschließlich sexuelle Be(s)tätigung. Natürlich gibt es immer auch Beispiele von Mitarbeiterinnen, die von ihren Intendanten „erwählt“, zur Partnerin gemacht und am eigenen Haus maßlos protegiert werden, wobei manche zur Stammschauspielerin, andere zur Kommunikationschefin und wieder andere zur Kuratorin befördert werden und den Status einer Partnerin erhalten – was dann einer Form des in den Theatern nicht zulässigen Nepotismus' entspricht, der meist viel zu spät oder niemals gegenüber den Aufsichtsgremien aufgedeckt wird, was wie in Bern (2018) daraufhin zu heftigen Reaktionen der Stiftungsratsvorsitzenden und zur Entlassung des Intendanten geführt hat.

Problematisch wird es dann im Trennungsfall. In der Regel ist die betroffene Künstlerin nach Beenden der Affäre eine Last, als ständige Mahnung oder sogar als Bedrohung, was dazu führen kann, dass sich die Situation noch mehr verschlechtert, als sie es vielleicht im Falle einer klaren oder geschickten Absage getan hätte. Wie auch immer sich die Mitarbeiterin entscheidet, es besteht die Gefahr, doppelt beschädigt zu werden, wenn das Auge des Intendanten oder des Regisseurs auf sie gefallen ist.

Aber es gibt auch Teilnehmer*innen, die sich – auch mit Unterstützung befreundeter Kolleg*innen – erfolgreich wehren konnten, mit Klarheit, Raffinesse oder gespielter Naivität. Die übergriffigen Angebote haben stattgefunden, das ist ein Tatbestand, aber die Strategie der Abwehr war so erfolgreich, dass die mächtigen Intendanten für einen Moment irritiert waren und ihre Opfer ziehen ließen. Dazu gehören die deutliche Ansprache (1215), Ausreden und Humor (1207, 1198) und die Bestärkung durch eine Kollegin, gegen Erpressung vorzugehen:„Als ich von einer unfassbaren Erpressung eines Intendanten gegen eine Kollegin hörte, habe ich sie sehr bestärkt, sich zu wehren.“ (712)



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